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Die donumenta-Ausstellungen 2010

„Kunst von einem anderen Ort“ (Áron Fenyvesi)
Die donumenta 2010 zeigt unter dem fordernden Titel „Liberation Formula.“ die bislang umfassendste Schau aktueller zeitgenössischer Kunst aus Ungarn in Deutschland. Mehrere der an der Ausstellung beteiligten Künstler haben ihre neuesten Werke eigens für die donumenta kreiert. Kurator Áron Fenyvesi betont:

„Die zeitgenössische Kunst in Ungarn steht im Zusammenhang von Identität. Sie ist sich darüber im Klaren, dass sie in historische, politische, kulturelle und soziale Strukturen eingebettet ist. Sie ist sich ihrer eigenen Zeit und ihrem Raum bewusst. Die donumenta-Kunst ist eine Kunst von einem anderen Ort. Gerade das macht sie progressiv und zeigt ihre große Freiheit“.

Mit dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie und der Städtischen Galerie „Leerer Beutel“ hat die donumenta 2010 wichtige Kooperationspartner im Boot. Jeweils an den Altstadträndern angesielt, bilden sie die zentralen Knotenpunkte, zwischen denen sich die Ausstellung „Liberation Formula.“ räumlich ausdehnen wird. Darüber hinaus besetzt die donumenta 2010 drei neue Orte in Regensburg mit wichtigen Positionen der zeitgenössischen Kunst in Ungarn: die Minoritenkirche, die Dominikanerkirche sowie die Galerie Art Affair. Weitere Kristallisationspunkte ergeben sich aus dem Konzept der Kunst im öffentlichen Raum. So wird am Dachauplatz Eszter Àgnes Szabós Skulptur „Liberty Statue of Hungary“ ausstrahlen. Objekte von Ádám Albert („Enamel Signs“) werden darüber hinaus im ganzen Stadtgebiet zu entdecken sein. Regina Hellwig-Schmid: „Die Ausstellung „Liberation Formula.“ wird so als individuelle Geh- und Denkbewegung erfahrbar“.

Das Kunstforum (Eröffnung: 19.9., 11:00 Uhr) präsentiert Zsolt Asztalos, Dániel Erdély, Szabolcs Kisspál, Adám Kokesch, János Korodi, Éva Köves-Andrea Sztojánovits, Little Warsaw, Dezsö Szabó, Kamilla Sjiz, Zsolt Tibor, Hajnalka Tarr und Júlia Vécsei. Der international bedeutende Avantgarde-Künstler Attila Csörgö zeigt gleich mehrere Arbeiten, unter anderem Fotografien seiner berühmten Fotoserie „Spherical Vortex“ (1999) sowie „Moebius Space“, seine neueste Arbeit, die während seines Arbeitsstipendiums im Künstlerhaus Schwandorf im Mai dieses Jahres entstanden ist. Der performative Denker und Tüftler erhielt 2008 mit dem Name June Paik Award den wichtigsten deutschen Medienkunstpreis. Seine visuell-installative Auseinandersetzung mit geometrischen Gesetzen hat zum Ziel, andere Dimensionen von Wirklichkeit aufscheinen zu lassen. Erstmals wird seine Arbeit in Beziehung gesetzt werden zu Arbeiten von Dániel Erldély, dem Erfinder des „Spidron“, einer spezifischen geometrischen, in den Raum wachsenden abstrakten Form.

Die Städtische Galerie „Leerer Beutel“ (Eröffnung: 16.9., 21:30 Uhr) versammelt Werke von Adrián Kupcsik, Ákos Siegmund, Beatrix Szöreényi, Csaba Nemes, Dániel Horváth, Erika Baglyas, Gábor Arion Kudász, Gyula Várnai, Ilona Lovas, Itsván Csákány, Lilla Borsos-Lörinc, Mária Chilf, Miklós Suányi und Peter Szabó.
Unter dem Titel „Temporary Resurrection“ – „Kurzfristige Wiederaufstehung“ konfrontiert Balázs Kicsiny, einer der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen mittel- und osteuropäischen Kunst und Biennale-Künstler von 2005, die Minoritenkirche mit einer raumgreifenden, installativen Anordnung aus mehreren Settings lebensgroßer Figuren (Eröffnung: 16.9., 21:00 Uhr). Erstmals führt er dabei seine in den Jahren 2005 bis 2007 entstandenen Skulpturengruppen zu einer raumgreifenden Choreografie des Stillstands zusammen. Eine betörend realistische Nachbildung kreiert ein Symbol für Vollzug und Ende eines Lebensweges, der vom Betrachter begangen werden kann.
Film und Fotografien weiterer lebensgroßer Skultpurenarbeiten von Balázs Kicsiniy, großformatige Zeichnungen von Kamilla Szij und Arbeiten von Maria Chilf werden in der Galerie Art Affair zu sehen sein (Eröffnung: 18.9., 19:00 Uhr).

In der Dominikanerkirche am Albertus-Magnus-Platz wird schließlich Erik Mátrai seine 2007 entstandene, kleinformatige multimediale Darstellung des Kreuzwegs nach Art von Guckkästen installieren (Eröffnung: 17.9., 14:00 Uhr). Mátrais heiteres Spiel mit der Norm des Malerischen einerseits und medialen Gestaltungsmöglichkeiten andererseits war erstmals 2006 in Bayern zu sehen.

Eine wichtige Ergänzung stellt die Fotografie-Ausstellung im Südost-Institut im Wissenschaftszentrum Ost- und Südosteuropa dar (Eröffnung: 13.10., 18:00 Uhr). Alltagsszenen von Romafamilien aus vier Ländern, gesehen von Jindrich Streit und Marie Zachovalová, heben aktuelle gesellschaftliche Spannungsverhältnisse zwischen den Ethnien ins Bewustsein.


Die Theater- und Tanzgastpiele: Expressives Körpertheater mit Mut zur Sozialkritik

Gilt das Theater als Seismograph gesellschaftlicher Zustände, ist der Tanz für die unsagbaren Angelegenheiten des Menschen verantwortlich. Die donumenta 2010 präsentiert in Kooperation mit den Regensburger Tanztagen und dem freien Theater Joseph Berlinger Theatermacher, die in Ungarn die Standards setzen: Die Tanzcompagnie Pál Frenak, seit 1999 in Budapest angesiedelt, elektrisiert als konkretes, sinnlich-expressives Körpertheater mit wachem Blick für Gesten, Posen und Bedeutung. Immer auf der Suche nach dem Lot zwischen Psyche und Körper, um den Tanz als Darstellung des Menschen und seiner Sehsüchte zu generieren, zählt Pál Frenak heute in Ungarn zu den wichtigen Impulsgebern im zeitgenössischen Tanz. Zur donumenta reist seine Company mit „InTimE“ an – einem waghalsigen, spannungsvollen Stück für fünf Tänzer über die Beziehungen zwischen Mann und Frau (6.11., 20:00 Uhr).

Die vielseitige freie Theatergruppe „The Symptoms“ zeigt mit „From Scratch“ eine preisgekrönte Performance, die sich nicht scheut, in einer poetischen Zusammenführung der Gattungen Tanz, Musik, Comedy und Theater sozialkritisch zu sein (30.9., 20:00 Uhr). Ihren Mut zur Nähe spielen sie konsequent aus: In der Fußgängerzone zeigen sie einen Tag vor ihrem Gastspiel „You trash!” und halten den plastiktütenbepackten Passanten den Spiegel vor (29.9., 17:00 Uhr).


Exzellentes Konzertprogramm: Balkanrock, Gipsy und Klavierkonzert

Exzellente Konzerte während der donumenta in Kooperation mit dem Jazzclub Regensburg e.V. und Klangfarben e.V. laden ein, unterschiedliche komplexe Klangwelten und ihre international erfolgreichen Künstler in Ungarn kennenzulernen: Der Komponist und Pianist Gergely Földvary (17.9., 20:00 Uhr) wurde 2004 mit der höchsten Auszeichnung für Künstler in Ungarn geehrt, dem Kossuth Prize. Seine eigenwilligen Programme bestechen: Eigenkompostionen wechseln sich ab mit Interpretationen klassischer Stücke und Improvisationen. Die Roma-Folkloregruppe „Parno Graszt“ wurde mehrfach zu den besten Musikergruppe in Ungarn gewählt. In ihren Auftritten erklingen temperamentvolle ungarische Lieder und Lieder der Roma (15.10., 20:00 Uhr). Mit dem Balkanrock ist die dritte dominante Musikrichtung der Gegenwart in Ungarn gegeben. Eine rauschhafte Musiknacht verspricht die Band „RotFront“ (22.9., 20:00 Uhr).


Lesungen und Vorträge: Vielstimmiges Ungarn in verschiedenen Horizonten

Die donumenta 2010 funktioniert als fortlaufendes Gespräch, in dem Wissen über Ungarn, seine Menschen, Landschaften und Herausforderungen geschaffen wird – literarisch, subjektiv, analytisch, atmosphärisch und neugierig. In Kooperation mit dem Amt für Weiterbildung, vhs der Stadt Regensburg und dem Literaturarchiv in Sulzbach-Rosenberg / Literaturhaus Oberpfalz gehen folgende Autoren und kritische Journalisten in nachdenklich machenden Lesungen die unterschiedlichsten ungarischen Horizonte ab: Kriszta Bódis (3.10.), Noémi Kiss (3.10.), Gabor Schein (3.10.) sowie Ilma Rakusa (31.10.) und Krisztina Tóth (4.11.) Drei wissenschaftliche Vorträge von Dr. Tamás Fedeles (7.10.), Dr. Norbert Spannenberger vom Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig (18.10.) und Ferenc Horkay Hörcher, Lehrstuhlinhaber am Philosophischen Institut der Péter Pázmány Katholischen Universität gehen dezidiert auf Orte, Mythen und aktuelle politische Herausfoderungen Ungarns ein.


 

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